• Dr. David Kaufmann

Reizdarm - Diagnostik und Therapie

Patienten beschreiben bei Reizdarm oft folgende Beschwerden:


• Krämpfe im Bauch

• Völlegefühl

• geblähter Bauch

• Druckschmerz


Häufig tritt das Beschwerdebild im frühen Erwachsenenalter auf. Die meisten Patienten leiden ihr ganzes Leben lang darunter, die Symptome können sich aber je nach den Lebensumständen verbessern oder verstärken.

Die Diagnose Reizdarm ist keinenfalls einfach zu stellen, denn sie ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Man findet also bei den Untersuchungen keine medizinisch relevanten Erkrankungen. Trotzdem ist sie für die betroffenen Menschen belastend.


Für eine Selbsteinschätzung können Ihnen folgende Kriterien weiterhelfen:


Wiederkehrende Bauchschmerzen, durchschnittlich mindestens einmal pro Woche innerhalb der letzten drei Monate, gemeinsam mit zwei der drei folgenden Faktoren:

1. Zusammenhang mit der Stuhlentleerung

2. Veränderung der Stuhlhäufigkeit

3. Veränderung der Stuhlkonsistenz (Verstopfung, Durchfälle)


Der Beginn der Symptome soll mindestens sechs Monate zurückliegen.


Es müssen folgende Untersuchungen unauffällig sein:

• Darmspiegelung

• Magenspiegelung inkl. tiefer Dünndarmbiopsie zum Ausschluss einer Zöliakie

• Ultraschalluntersuchung des Bauches

• Blutuntersuchungen: Blutbild, Leberenzyme, Elektrolyte, Nierenwerte, Schilddrüsenwert, Blutzucker usw.

• Tests auf Laktoseintoleranz, Fruchtzuckerunverträglichkeit und Dünndarmfehlbesiedelung

• Test auf eine Sorbitunverträglichkeit

• Stuhluntersuchungen: Test auf Pankreas Elastase-1


In der Ganzheitsmedizin können ergänzend noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, die auch bezüglich der Ursachenfindung und eventuell weiterer zielgenauerer Therapieempfehlung hilfreich sind:

• Analyse des Darmmikrobioms

• Differenzierte Stuhlanalyse

• Test auf Weizensensitivität

• Orthomolekularmedizinische Analyse der Vitamine und Mineralstoffe

• TCM-Diagnostik

• Stress-Diagnostik: Die Beschwerden verstärken sich bei Stress und es besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Angsterkrankungen sowie Depressionen.


Therapie:

Je nachdem welche Symptome im Vordergrund stehen bieten sich verschiedene symptomatische Behandlungsmöglichkeiten an. Eine umfassende Zusammenfassung finden Sie in der Leitlinie Reizdarmsyndrom. In Folge einige ergänzende teils komplementärmedizinische Ansätze:


Phytotherapie: Die Kräuterapotheke bietet gerade bei Verdauungsproblemen eine große Auswahl, wobei es je nach Beschwerdesymptomatik die passenden Pflanzen zu wählen gilt. Diese Kräuter werden oft als Mischungen in unterschiedlicher Zusammensetzung verwendet. Beispiele sind z.B. Bittere Schleifenblume, Kamille, Pfefferminze, Angelikawurzel, Kümmel, Fenchel, Mariendistel, Melisse, Flohsamenschalen, Myrrhe, Baldrian, Passionsblume, …


Probiotika: Diese sollten möglichst zielgenau je nach Darmanalyse eingesetzt werden - natürlich gemeinsam mit einer Anpassung der Ernährungsmuster. Durch unsere Ernährungsgewohnheiten verändert sich der pH-Wert im Darm und damit auch die Besiedelung mit Darmbakterien. Dies kann zu Beschwerden führen.


Ernährung: Je nach Diagnostik kann eine ballaststoffreiche oder ganz im Gegenteil eine ballaststoffarme Ernährung sinnvoll sein. Bevor Sie mit radikalen Diäten beginnen, sollten Sie sich eingehend ärztlich beraten lassen. Eine allgemein richtige Ernährungsweise gibt es nicht. Ganz individuell gilt es die für Sie richtige Ernährungsweise zu finden. Man muss klären, ob sie Fruktose, Laktose, Getreide, Ballaststoffe, … gut vertragen oder eben nicht. Natürlich ist ein gewisser Experimentiergeist gefragt und man achte gut darauf, was gut tut und worauf man besser verzichtet.


Entspannungstechniken: Wenn man gestresst ist, wirkt sich das auch auf den restlichen Körper aus. Ein Reizdarm zeigt, wie wichtig die Harmonie von Körper und Geist für den Menschen ist. Als hilfreich werden u.a. progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, Imaginationen, Yoga, Qi Gong, Achtsamkeitstraining wie MBSR und Bauchhypnose erlebt.


TCM: Alternative Medizinsysteme wie die traditionell chinesische Medizin gehen mit einer anderen Sichtweise an die Diagnostik und die Therapie heran. Dadurch kann diese bei Bedarf hinzugezogen werden und die anderen Maßnahmen ganzheitlich ergänzen.

Therapeutische Gespräche: Wenn Angst, Sorge und depressive Verstimmung plagen, holen Sie sich professionelle Hilfe. Oft kommt es zu einer deutlichen Erleichterung, wenn man das Belastende ausdrückt und teilt.


Zusammenfassend ist das Reizdarmsyndrom sehr komplex zu diagnostizieren und zu therapieren. Es gibt jedoch viele therapeutische Möglichkeiten und Unterstützungsmöglichkeiten.