Testosteron für Männer - Wann eine Behandlung sinnvoll ist
Viele Männer ab 50 fragen sich: Bin ich einfach müde und älter geworden, oder fehlt mir Testosteron? Und wenn ja, sollte ich etwas dagegen tun? Hier eine Zusammenfassung, was die Forschung dazu aktuell hergibt.
Was im Alter mit dem Testosteron passiert
Der Testosteronspiegel sinkt ab dem 40. Lebensjahr langsam, im Schnitt um etwa 1 % pro Jahr. Das ist normal und noch keine Krankheit. Bei manchen Männern fällt der Wert aber so stark ab, dass er Beschwerden verursacht. Dann spricht man von einem Testosteronmangel, medizinisch „Hypogonadismus".
Woran Sie einen echten Mangel erkennen
Für die Diagnose braucht es zwei Dinge gleichzeitig: passende Beschwerden und einen nachweislich niedrigen Wert im Blut.
Am deutlichsten hängen sexuelle Beschwerden mit einem niedrigen Spiegel zusammen: weniger Lust, seltener Erektionen am Morgen oder spontan, Erektionsprobleme. Müdigkeit, schlechte Stimmung, Schlafprobleme oder nachlassende Kraft können auch vorkommen. Sie haben aber viele andere Ursachen, vom Älterwerden über Übergewicht bis zu anderen Erkrankungen.
Daraus folgt:
Ein niedriger Wert ohne Beschwerden ist kein Behandlungsgrund.
Beschwerden ohne nachgewiesenen Mangel sind es auch nicht.
Nach Studien hat nur etwa jeder dritte Mann mit Erektionsproblemen tatsächlich zu wenig Testosteron. Meist spielen Durchblutung, Stoffwechsel oder andere Faktoren eine Rolle.
So wird richtig gemessen
Testosteron schwankt im Tagesverlauf und von Tag zu Tag. Damit der Wert aussagekräftig ist:
Blut wird morgens zwischen 7 und 11 Uhr abgenommen, am besten nüchtern.
Während einer akuten Erkrankung wird nicht gemessen.
Ein auffälliger Wert wird an einem anderen Tag wiederholt. Bei etwa jedem dritten Mann ist die zweite Messung normal.
Bei einem bestätigten Mangel wird außerdem nach der Ursache gesucht, etwa an den Hoden oder an der Hirnanhangsdrüse.
Wobei Testosteron helfen kann
Der klarste Nutzen zeigt sich bei Lust und Sexualleben. Bei Erektionsproblemen ist die Wirkung eher bescheiden. Bei leichtem Mangel oder deutlichen Erektionsproblemen werden deshalb zuerst die üblichen Medikamente dagegen versucht.
Weitere mögliche Einsatzgebiete:
Stoffwechsel: bei starker Insulinresistenz (der Körper reagiert schlechter auf Insulin) oder Diabetes, immer zusätzlich zu Bewegung, Ernährung und der üblichen Therapie
Knochen: Die Knochendichte kann steigen.
Stimmung: bei leichter Verstimmung eventuell hilfreich, bei einer echten Depression nur als Ergänzung zur üblichen Behandlung
Nicht empfohlen ist Testosteron für mehr Fitness, ein besseres Gedächtnis, zur Vorbeugung von Demenz oder zum Schutz des Herzens. Dafür reichen die Daten nicht. Als Anti-Aging-Mittel ist es nicht gedacht.
Wer kein Testosteron bekommen sollte
Es gibt klare Ausschlüsse:
aktueller Kinderwunsch
Brustkrebs und unbehandelter Prostatakrebs
Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten vier Monaten
schwere Herzschwäche
Thrombose oder Lungenembolie (Blutgerinnsel in Venen oder Lunge) in der Vorgeschichte
ein zu hoher Anteil roter Blutkörperchen im Blut („Hämatokrit"). Das Blut wird dadurch dicker, und das Risiko für Gerinnsel steigt.
Bei sehr starken Problemen beim Wasserlassen ist Vorsicht nötig. Eine harmlose Vergrößerung der Prostata allein ist dagegen kein Ausschlussgrund.
Wie sicher ist die Behandlung?
Lange gab es die Sorge, Testosteron könne Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen. Die große Studie TRAVERSE hat über 5000 Männer, die meisten mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder hohem Risiko, rund zwei Jahre begleitet. Sie fand keine Zunahme von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder herzbedingten Todesfällen.
Ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko hat sich in Studien nicht gezeigt. Trotzdem werden Prostata und PSA-Wert (ein Bluttest, der auf Veränderungen der Prostata hinweisen kann) vor Beginn und regelmäßig danach kontrolliert.
So läuft die Behandlung ab
Man beginnt mit einem Gel, das täglich auf die Haut aufgetragen wird.
Kontrolltermine sind nach 3, 6 und 12 Monaten und danach mindestens einmal im Jahr vorgesehen. Dabei werden Ihre Beschwerden besprochen sowie Testosteron, Blutbild und PSA gemessen, bei Bedarf auch die Knochendichte.
Eine Maximaldauer gibt es nicht. Die Wirkung hält aber nur an, solange Sie behandelt werden. Nach dem Absetzen sinkt der Spiegel wieder, und die Effekte lassen nach.
Bitte nicht auf eigene Faust: Testosteron aus dem Internet oder aus dem Fitnessstudio-Umfeld ohne ärztliche Kontrolle ist riskant.
Der Lebensstil kommt zuerst
Übergewicht ist einer der häufigsten Gründe für niedriges Testosteron. Wer abnimmt, kann den Wert oft selbst anheben. Auch Bewegung hilft. Deshalb stehen Gewichtsabnahme, Bewegung und die Behandlung möglicher Ursachen vor jeder Hormongabe. Das Testosteron kann diese Maßnahmen unterstützen, ersetzt sie aber nicht. Aber auch Stressbelastungen sollten reduziert werden.
Fazit
Testosteron kann Männern mit nachgewiesenem Mangel und entsprechenden Beschwerden helfen, vor allem bei Lust und Sexualleben. Es ist kein Mittel für jeden Mann über 50 und kein Jungbrunnen. Für ein gesundes Älterwerden müssen zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden. Eine gute Behandlung beginnt mit einer ganzheitlichen Diagnostik, einem offenen Gespräch und regelmäßigen Kontrollen.






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