Libidoverlust bei Frauen und Männern – ganzheitlich verstehen und behandeln
- David Kaufmann

- 18. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Jan.
Sexuelle Lust ist kein Schalter, den man einfach an- oder ausschaltet. In meinen medizinischen und psychotherapeutischen Gesprächen erlebe ich häufig, dass Menschen verunsichert sind, wenn sich ihre Lust verändert – manchmal schleichend, manchmal ganz plötzlich.
Libidoprobleme betreffen Frauen wie Männer. Und doch werden sie selten offen angesprochen. Viele Betroffene fragen sich im Stillen: „Ist das noch normal?“ oder „Liegt das nur an mir?“
Da ich in meiner Praxis Allgemeinmedizin mit Psychotherapie und naturheilkundlichen Verfahren verbinde, betrachte ich Libidoveränderungen nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel von Hormonen, Körper, Psyche, Beziehung und aktueller Lebenssituation. Ziel ist nicht eine schnelle Standardlösung, sondern ein individuell stimmiger Weg.
Was bedeutet Libidoverlust eigentlich?
Von Libidoverlust spricht man, wenn die sexuelle Lust über längere Zeit deutlich geringer ist als früher und als belastend empfunden wird – für einen selbst oder in der Partnerschaft.
Dabei ist mir besonders wichtig zu betonen: Es gibt kein richtiges oder falsches Maß an sexueller Lust. Manche Menschen sind mit wenig Sexualität zufrieden, andere leiden darunter. Entscheidend ist nicht die Häufigkeit, sondern wie stimmig sich die eigene Sexualität anfühlt.
Mögliche Ursachen – ein Zusammenspiel von Körper, Hormonen und Psyche
In einer ganzheitlichen Betrachtung zeigt sich selten nur eine einzelne Ursache. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen.
Körperliche und hormonelle Einflüsse
Bei Frauen spielen häufig eine Rolle:
hormonelle Veränderungen (z. B. in den Wechseljahren oder nach einer Geburt)
vaginale Trockenheit oder Schmerzen beim Sex
hormonelle Verhütungsmittel
Schilddrüsenfunktionsstörungen
Bei Männern beobachte ich oft:
alters- oder stressbedingte Veränderungen des Testosteronspiegels
Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Verunsicherung durch Erektionsveränderungen
Bei allen Geschlechtern relevant:
chronische Erschöpfung und Schlafmangel
Vitamin- und Mikronährstoffmängel
Nebenwirkungen bestimmter Medikamente (z. B. Antidepressiva oder Blutdruckmittel)
chronische Schmerzen oder körperliche Erkrankungen
Schon vergleichsweise subtile hormonelle oder metabolische Veränderungen können die Libido deutlich beeinflussen.
Psychische und emotionale Faktoren
Als Arzt für psychotherapeutische Medizin erlebe ich häufig, dass Libidoverlust ein frühes Warnsignal innerer Überlastung ist.
Häufige Einflussfaktoren sind:
anhaltender Stress oder Überforderung
depressive Verstimmungen oder Angstzustände
ein negatives Körpergefühl
belastende oder grenzüberschreitende sexuelle Erfahrungen
Der Körper zieht sich oft zurück, wenn seelisch zu viel getragen werden muss.
Beziehung, Nähe und Lebenssituation
Viele Menschen berichten, dass Nähe im Alltag verloren geht, ohne dass dies bewusst wahrgenommen wird. Nicht selten höre ich Sätze wie: „Wir verstehen uns gut – aber die Nähe fehlt.“
Belastend wirken können:
ungelöste Konflikte
fehlende emotionale Verbindung
Leistungsdruck in der Sexualität
wenig Raum für Zärtlichkeit und Intimität
Gewohnheit
Sexuelle Lust entsteht dort, wo Sicherheit, Offenheit und Entspannung möglich sind – aber auch Neugierde, Entdeckergeist und freudige Spannung sein dürfen.
Warum ein ganzheitlicher Blick bei Libido so wichtig ist
Libido ist kein isoliertes Symptom, sondern Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Wird nur ein einzelner Aspekt betrachtet – etwa ausschließlich Hormone oder ausschließlich die Psyche – bleiben wichtige Einflussfaktoren unberücksichtigt.
Ein ganzheitlicher Ansatz bedeutet:
körperliche Ursachen ernst zu nehmen
hormonelle Veränderungen differenziert zu beurteilen
psychische Belastungen nicht zu bagatellisieren
die individuelle Lebens- und Beziehungssituation einzubeziehen
Erst diese Kombination ermöglicht oft nachhaltige Veränderungen, statt kurzfristiger Effekte.
Mein ganzheitlicher Ansatz in Diagnostik und Therapie
Ganzheitliche Diagnostik
Am Anfang steht immer eine sorgfältige Abklärung:
ausführliche Anamnese (körperlich, psychisch, partnerschaftlich)
Laboruntersuchungen (Hormone, Vitamine, Spurenelemente)
Überprüfung bestehender Medikamente
gynäkologische oder urologische Abklärung bei Bedarf
Allein Klarheit darüber zu gewinnen, was eine Rolle spielt, ist für viele bereits sehr entlastend.
Individuelle therapeutische Bausteine
Je nach Situation kombiniere ich unterschiedliche therapeutische Elemente:
Allgemeinmedizinische Betreuung
Psychotherapeutische Gespräche (einzeln oder als Paar)
Bioidentische Hormontherapie(z. B. Estriol, Estradiol, Testosteron, DHEA – sorgfältig dosiert und ärztlich begleitet)
Gezielte Vitamin- und Mikronährstofftherapie
Phytotherapie
Unterstützung bei Stressregulation, Selbstfürsorge und Körperwahrnehmung
Nicht jede Maßnahme ist für jede Person sinnvoll. Entscheidend ist die individuelle Abstimmung.
Was mir besonders wichtig ist
Libido schwankt im Laufe des Lebens – bei allen Menschen. Ein Rückgang der Lust ist kein persönliches Versagen, sondern oft ein Hinweis darauf, dass Körper und Seele mehr Aufmerksamkeit brauchen.
Entscheidend ist, ob Sie selbst oder Ihre Beziehung darunter leiden – und ob Sie sich Veränderung wünschen.
Ein Gespräch kann ein erster Schritt sein
Libidoveränderungen sind oft ein leiser Hinweis des Körpers, genauer hinzuschauen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, begleite ich Sie gern dabei, wieder mehr Klarheit und Stimmigkeit zu finden.
In einem geschützten Rahmen betrachten wir gemeinsam Körper, Hormone, Psyche und Lebenssituation – ohne Druck, ohne Bewertung.
Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf. Manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo man beginnt, sich selbst ernst zu nehmen.





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