• Dr. David Kaufmann

Schmerztherapie - Hilfe ist möglich!

Aktualisiert: 17. Nov 2019

Schmerzen sind ein komplexes, vielschichtiges Geschehen und es ist wichtig rechtzeitig und passende Therapiemöglichkeiten zu wählen.

Die Internationale Gesellschaft zur Erforschung des Schmerzes (IASP) definiert Schmerz als:

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebeschädigung die Ursache.“

Die Wahrnehmung Schmerz wird als komplexe Wechselwirkungen zwischen biologischen, psychischen und sozialen Faktoren angenommen (biopsychosoziales Schmerzkonzept). Der Schmerz ist also eine subjektive Wahrnehmung, welche nicht allein durch Signale der Nervenfasern bestimmt wird, eher ist es eine Wahrnehmung, welche über komplexe Vorgänge stark moduliert wird. Das Schmerzempfinden ist somit immer subjektiv. Schmerzbeschreibungen lassen sich in affektive (ein Gefühl ausdrückend, z. B. quälend, marternd, lähmend, schrecklich, heftig) und sensorische (die Sinnesqualität betreffend: stechend, ziehend, zwickend, drückend, krampfartig, brennend) Aspekte unterteilen. Der affektive Aspekt kann weiterhin in eine unmittelbare emotionale Komponente und eine emotionale Langzeitkomponente aufgeteilt werden.

Akuter Schmerz ist ein zeitlich limitierter Schmerz, der als Reaktion auf die oben erläuterte Schmerzentstehung und Schmerzweiterleitung wahrgenommen wird. Er hat den Charakter eines Warn- und Leitsignals, das auch wegweisend zur Diagnose der Ursache sein kann. Die genaue Diagnose der Ursache ist entscheidend sowohl zur Behandlung der auslösenden Ursache als auch zur Schmerztherapie. Schmerzen sind also wichtig. Sie sind das Warnsignal einer gestörten Funktion. Bei unzureichend therapiertem akuten Schmerz kann dieser in chronische Schmerzen übergehen.

Chronischer Schmerz ist ein zeitlich länger andauernder Schmerz, wobei der genaue Zeitrahmen unterschiedlich definiert wurde, typischerweise drei bis zwölf Monate. Länger dauernde Schmerzen können sich in eine chronische Schmerzkrankheit entwickeln. Die Schmerzen haben dann ihre Leit- und Warnfunktion verloren. Diese Schmerzkrankheit ist neben den organischen auch durch die daraus folgenden psychosozialen Veränderungen definiert, die in die integrative Schmerzbehandlung einfließen müssen.

Beim chronischen Schmerz ist die enge Beziehung von sozialen, seelischen und biologischen Faktoren als „Bio-psychosoziales Schmerzentstehungsmodell“ anerkannt. Oft finden sich biografisch Traumata, Zurückweisungen, Kränkungen, Ausgrenzungen, Verrat, Betrug und eigentlich alles, was Menschen anderen Menschen antun können. Dazu kommen oft ungünstige Lebensbedingungen in der Kindheit, wie Armut, Flucht, Vertreibung, fehlende elterliche Unterstützung, fehlende Berufsausbildung und geringer sozialer Status. Schmerzen zeigen uns unsere Verletzlichkeit auf und darum gilt es sich zu kümmern.

Was kann helfen?

Gute Schmerztherapie ist komplex. Der erste Schritt dazu sollte eine ganzheitliche Beratung darstellen, in der Sie sich über verschiedene Konzepte informieren. Hören Sie sich die Konzepte offen an und integrieren Sie verschiedene Ansätze zu Ihrem ganz Persönlichen. Lassen Sie sich in Folge von einem Therapeuten Ihrer Wahl begleiten, denn Sie werden motivierendes Coaching brauchen.

Ganzheitlich gesehen lassen sich körperliche und psychische Elemente des Schmerzerlebens nicht trennen, sondern interagieren lebhaft miteinander - zum Leidwesen einerseits, als Chance andererseits, denn Sie haben viele Möglichkeiten therapeutisch einzuwirken:

Physiotherapie und Massagen: die Kommunikation und Hinwendung auf Körperebene sind ein wesentlicher Bestandteil einer effektiven Therapie. Gerade bei der Massage empfehle ich aber einen eher sanften Stil - spüren Sie was Sie brauchen.

Gesprächstherapie: Das Augenmerk des Schmerztherapeuten richtet sich auf Veränderbares in der aktuellen Lebenssituation. Wo sind Stärken, die man fördern kann? An welche erfolgreichen Strategien kann der Schmerzkranke anknüpfen? Wie kann er die Ohnmacht überwinden und sich selber wieder als autonom kraftvoller Menschen wahrnehmen? Welche positiven Ressourcen gibt es bereits? Welche sollten wieder ins Leben geholt werden? Was hat geholfen?

Medikation: Schmerzmittel unterschiedlichster Art können genutzt werden. Bitte in Rücksprache mit einem Arzt und nicht in Eigenbehandlung. Die Wirkung ist das Ziel und Nebenwirkungen gilt es zu vermeiden. Gerade wenn Sie schon andere Medikamente nehmen, ist eine gute Zusammenschau enorm wichtig.

Aktivitäten in Gemeinschaft: Singen, Lachen, Tanzen, Unternehmungen mit Familie und Freunden, Kino,… - wir sind als Menschen sozial auf andere orientiert und daher kann das für uns sehr stützend wirken.

Imagination: Innere Bilder können bei der Bewältigung wunderbar unterstützen. Aus angstvollen, belastenden Bildern kann man in der Vorstellung z.B. ein gegenteiliges Bild entwerfen und das Wohltuende ganzheitlich erfahrbar machen. Daraus können wie durch Geisterhand heilende Impulse entstehen - darauf einlassen und eine gewisse Neugierde vorausgesetzt.

Kreativität: Malen, Zeichnen, mit Ton gestalten- alles ist erlaubt.

Entspannung: Progressive Muskelrelaxation, Mediation, Autogenes Training, Yoga, … Lernen Sie Ihr autonomes Nervensystem zu regulieren. Schmerz führt zu Anspannung (=Sympathikusaktivierung) - und dieser kann man durch einfache aber regelmäßig praktizierte Techniken entgegenwirken.

Beratung bei existentielle Themen: Holen Sie sich Informationen zum Thema Beruf, finanzielle Versorgung, Partnerschaftprobleme,… ein. Schmerzen konfrontieren uns auch mit der Endlichkeit des Lebens. Was möchten Sie in Ihrem Leben erleben? Was möchten Sie bewirken? Was fehlt? …

Bewegung: Was tut gut? Was würden Sie gerne wieder machen?, Was wollten Sie schon immer mal probieren? - Schwimmen, Spazieren, Wandern, Joggen, Nordic Walking, Gymnastik, Zumba, Tanz …

Tagebuch: Ein bewährtes Mittel - es hilft Gedanken zu ordnen und verhindert, dass schon Erreichtes und hilfreiche Ideen wieder vergessen werden. Mein Tipp: Lesen Sie Ihre Zeilen von Zeit zu Zeit wieder durch. Sie werden staunen welche Weisheit Sie zu Papier gebracht haben!

Komplementäre Methoden: Akupunktur, TCM, Kräutertherapie, hochqualitatives CBD, Taping, Wärmetherapie … können ergänzend zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.

Obwohl Sie nicht den ganzen Weg zum ersehnten Ziel sehen können, setzen Sie die ersten Schritte!

Gestalten Sie Ihr Leben trotz Einschränkungen.

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